Das GleichBehandlungsBüro Aachen
Kontakt: Marie–Theres Aden, Isabel Teller .:. Tel: 0241 - 49003 oder 4017778.:. E-Mail:paez.ac@t-online.de
Die Schwerpunkte des Aachener Büros sind neben der Erwachsenenbildung und außerschulischen Jugenderziehung, die Medienarbeit, das Initiieren von Empowermentprojekten und die Beratungstätigkeit.
Über die GBB „Infoline“ können verschiedene Informationen - auch in englischer und französischer Sprache angefragt - werden. Durch den hauseigenen Dolmetscherdienst stehen afrikanische, asiatische Sprachen sowie europäische Sprachen zur Verfügung.
Das Team ist interkulturell besetzt und arbeitet interdisziplinär.
Das GBB Aachen führt verschiedene Angebote durch. So werden beispielsweise Antirassismus Trainings ( ART ), Mediation und Schulungen für JuristInnen, SozialpädagogInnen, StudentInnen unterschiedlicher Fakultäten und SozialberaterInnen angeboten. Die Infoline informiert Betroffene und Interessierte über die Themen Antidiskriminierungsgesetz/Umsetzung der EU-Richtlinien in deutsches Recht, aktueller Rechtsschutz, Ausländer– und Asylgesetzgebung und Beschwerdemöglichkeiten bei der EU Kommission. Im Rahmen der landesweiten Netzwerkarbeit finden unterschiedliche Kooperationen statt. Die Medien– und Öffentlichkeitsarbeit umfasst sowohl die Veröffentlichung von Fachartikeln und Diskriminierungstatbeständen als auch die Erstellung von Materialien. Die Entwicklung von Empowermentprojekten ist ein weiterer Arbeitsansatz des Aachener GB Büros. Ebenso nimmt die Beratungstätigkeit einen wichtigen Stellenwert ein. Hervorzuheben ist hier die Möglichkeit, bei Diskriminierungsbeschwerden sich direkt an eine juristische Fachkraft wenden zu können.
Alle Angebote können landesweit genutzt werden.
Ansprechpartnerinnen:
Leitung: Aden, Marie-Theres (Dipl. Päd., Antirassismus Trainerin, Elterntrainerin)
Teller, Isabel (Juristin, Mediatorin)
Öffnungszeiten
dienstags + donnerstags: 11 Uhr - 14 Uhr
mittwochs: 12 Uhr – 15 Uhr
Tel: 0241–49003 oder 4017778 Email: paez.ac@t-online.de
Ausgewählte Maßnahmen
Empowermentansätze im Rahmen der Medienarbeit
„ich und ich- DiasporAfro“ / ( Filmprojekt ) - Provokation ( Posteraktion )
1. Anlass zur Maßnahme
Das GBB Aachen ist bemüht, jedes Jahr neue Akzente im Rahmen seiner Schwerpunktthemen zu setzen. Dabei verfolgt das GBB dem Grundsatz, aus der Arbeit mit „Betroffenen“ heraus Projekte zu entwickeln, um so den eignen Basisbezug immer wieder neu herzustellen, zu überprüfen und seine zukünftigen Tätigkeiten als GBB konzeptionell dahingehend auszurichten und weiter zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund entstand 2002 eine Kooperation mit der Stadt Wuppertal. Der Kontakt zur Stadt Wuppertal erfolgte aufgrund einiger Diskriminierungsbeschwerden von schwarzen Jugendlichen, die sich an das Aachener Büro mit der Bitte um Unterstützung wandten. Es entstand eine Kooperation zwischen dem GBB Aachen und der Stadt Wuppertal. Die Kooperation beinhaltete einerseits das in Wuppertal eingerichtete AD Büro konzeptionell und personell zu unterstützen andererseits das Jugendmedienprojekt „ich und ich – DiasporAfro mit zu begleiten und finanziell zu fördern.
Aber nicht nur in Wuppertal, sondern auch in Aachen gab es schwarze Jugendliche, die in Form einer Öffentlichkeitsarbeit die Kooperation mit dem GBB Aachen suchten.
2. Zielgruppe
Zielgruppe dieses Projektes waren schwarze Jugendliche aus Wuppertal im Alter von 15 – 23 Jahren. Die Jugendgruppe war heterogen und setzte sich sowohl aus SchülerInnen, Azubis und Studenten zusammen. Die Gruppe umfasste ca. 15 – 20 Jugendliche. Die Aachener Gruppe bestand im Gegensatz zur Wuppertaler Jugendgruppe mehrheitlich aus afrodeutschen Jugendlichen.
3. Methode
Inhalt des Wuppertaler Projektes war mittels des Medium Film die Diskriminierungserfahrungen schwarzer Jugendlicher in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Filmprojekt wurde von den Akteuren eigenständig entwickelt. So bestimmten die Jugendlichen die Inhalte, ihre Wortbeiträge selbst und bestimmten in welcher Form und Weise der Filmschnitt durchgeführt werden sollte. Begleitet wurde das Projekt von einer professionellen Filmproduzentin, kurdischer Herkunft. Die Aachenergruppe wollte mit ihrer Aktion eher provozieren und zum Nachdenken animieren. Es entstanden 4 Poster mit unterschiedlichen Titeln, die die gesellschaftliche Lage vieler schwarzer Jugendlicher provokativ formuliert.
4. Öffentlichkeitsarbeit
Der Film wurde von der Jugendgruppe in Wuppertaler Schulen und Jugendzentren vorgestellt und erhielt gute Kritiken. Über die Mediothek des AD Büros Siegen ist der Film erhältlich. Interessierte können sich auch an das GBB in Aachen wenden oder direkt mit der Stadt Wuppertal in Kontakt treten. Wer Interesse hat, die Jugendgruppe kennen zulernen, der möge sich an das Aachener Büro wenden. Die Poster wurden in Jugendgruppen veröffentlicht und auf Veranstaltungen. Viele schwarze Jugendliche wollten Poster kaufen, um entweder in der eigenen Schule oder Zuhause aufhängen zu können. Die Poster sind über das GB Büro Aachen zu einem Selbstkostenpreis zu kaufen. Jedes Poster kostet je nach Größe zwischen 5 € und 30 €. Die Poster sind auch mit englischen und französischen Text zu bekommen. 2005 sollen die Poster in England, Belgien und Frankreich veröffentlicht werden über die jeweiligen AD Büros vor Ort.
5. Ergebnisse/eigene Bewertung
Die Medienarbeit mit der Jugendgruppe war sehr interessant. Für die Jugendlichen selbst war es die erste Möglichkeit, sich an eine breite Öffentlichkeit zu wenden. Es ist der erste Film von und über schwarze Jugendliche in Deutschland, die über ihre Diskriminierungserfahrungen öffentlich sprechen. Der Einsatz des Films in der schwarzen Jugendarbeit, der zwar in erster Linie deskriptiven Charakter hat, zeigte aber, dass er als Medium, Rassismus und Diskriminierung in Deutschland zu thematisieren und als gesellschaftliches Problem zu realisieren, sehr geeignet ist. Insbesondere für die Empowermentarbeit bietet er viele Diskussions- und Ansatzmöglichkeiten, sich der eigenen Lebenssituation bewusster zu werden und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Da der Film aus der Perspektive Jugendlicher entstand und entwickelt wurde, ist er für die Jugendarbeit aber auch im Rahmen von MultiplikatorInnen Schulungen im pädagogischen und/oder sozialpädagogischen Bereich empfehlenswert. Dies setzt jedoch für BenutzerInnen sowohl ein persönliches Bewusstsein für die Thematik voraus, die Fähigkeit zur (inter) kulturellen Selbstreflektion, als auch genügend Hintergrundinformationen über die verschiedenen schwarzen Communities in Deutschland, ihre Geschichte und Entwicklungen und Erfahrungen in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit. Die Zielgruppe schwarze Jugendliche ist in Wuppertal durch das Medienprojekt bekannt geworden und wird im Rahmen der Wuppertaler Jugendarbeit weiter gefördert. Der Kontakt zum GBB Aachen besteht bis heute. Es finden immer wieder Kooperationsformen zwischen Jugendlichen aus Wuppertal und dem GBB Aachen statt. Ähnliches gilt für den Einsatz der Poster.
6. Konsequenzen
Die Konsequenz aus dem Projekt ist, jugendliche MigrantInnen und schwarze Deutsche als Zielgruppe der AD Arbeit wahrzunehmen und im Rahmen von Empowerment zu aktivieren, sich gegen Diskriminierung und Rassismus zur Wehr zusetzen, gleichzeitig aber auch ein selbstkritisches Bewusstsein zu entwickeln, mit dem Ziel sich für diese Gesellschaft zu befähigen, regulierend zu wirken, in dem sie lernen, ihre Belange und Bedürfnisse konstruktiv einzubringen und sich für ihre Interessen auch einzusetzen. Darüber hinaus gehört der Empowermentansatz und seine konzeptionelle Weiterentwicklung auch für die zukünftige Arbeit zu den wichtigsten Aufgaben des GB Büros Aachen.
Antirassismus Trainings ( ART )
1. Anlass zur Maßnahme
Neben der allgemeinen Beratungstätigkeit ist die präventive Arbeit ein wesentlicher Bestandteil der AD Arbeit. Antirassismus Trainings stellen eine gute Möglichkeit dar, bewußtseinschärfend zu wirken, mit dem Ziel strukturelle Veränderungen zu erreichen.
2. Zielgruppe
Institutionen, Behörden, Migrantenselbstorganisationen
3. Methode
Ihren Ursprung haben ART Trainings in Amerika der 60er Jahre als Reaktion auf Rassismus
und Diskriminierung. Übernommen aus dem amerikanischen blicken auch in England seit den
70er Jahre ART Seminare, bereits auf eine lange Tradition. Seit 1986 werden ART Trainings
auch in Deutschland angeboten.
Ziel des Trainings ist, zu sensibilisieren und aufzuzeigen, was Rassismus und Diskriminierung ist, wie diese Machtstrukturen wirken und welche Möglichkeiten zur Überwindung und
Veränderungen bestehen. ART ist ein schwarzes Handlungkonzept und stellt die Verantwortung eines jeden Menschen für sich und seine Gesellschaft in den Mittelpunkt, es fördert die Fähigkeit zur Empathie , bewirkt einen Paradigmen– und Perspektivenwechsel und unterstützt Empowerment und den Prozess des lebenslangen Lernens.
ART ist ein Sensibilisierungstraining, das aus folgenden Modulen besteht:
I. Modul: Standortbestimmung II. Modul: Sozialisationsprozesse III. Modul: Historische und politische Grundlage IV. Modul: Handlungsstrategien
Die von der Trainerin gesellten Aufgaben werden von den TN in Einzelarbeit, Gruppen– und Teamarbeit, Plenumssitzungen und Rollenspielen bearbeitet und thematisiert. Feedback während des Seminars, Trainingsauswertung zum Abschluss des Seminars mittels Fragebogen
4. Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit für dieses Projekt erfolgt über Infomaterial, das in Jugendämtern und Schulen beispielsweise ausgelegt wird, über MigrantInnen- Selbstorganisationen oder über das Internet. Viele Anfragen erfolgten aufgrund von Mund zu Mund Propaganda ehemaliger TrainingsteilnehmerInnen.
5. Ergebnisse/eigene Bewertung
ART Trainings richten sich an unterschiedliche Interessengruppen aber insbesondere an Institutionen und Organisationen. Die Durchführung vieler ART Trainings bewirkte eine Bewußtseinsänderung und förderte strukturelle Veränderungen in den jeweiligen Ein-richtungen. So wurden in einigen Kindertagesstätten die pädagogische Arbeit zu Gunsten der interkulturellen - antirassistischen Erziehung modifiziert oder das pädagogische Team interkulturell besetzt, so dass eine strukturelle Veränderung in der Personalpolitik stattfand. Auch Elterninitiativen, die an ART Trainings teilnahmen, wurden in ihrem Engagement gefördert und empowert.
6. Konsequenzen
Um zukünftig ART Trainingsangebote zu intensivieren und konzeptionell zu erweitern, arbeitet das GBB Aachen an einem „Train the Trainer“ Konzept.