Planerladen - Verein zur Förderung demokratischer Stadtplanung und stadtteilbezogener Gemeinwesenarbeit e.V.
Kontakt: Borsigstr. 1, 44145 Dortmund .:. Tel: 0231 - 83 32 25 .:. E-Mail: antidisk@planerladen.de .:. Web: www.antidisk.de
Die Arbeit des Vereins zielt auf die Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen aller Bewohner/innen der Dortmunder Nordstadt. Schwerpunktmäßig setzt sie bei den besonders benachteiligten Bevölkerungsgruppen an. So stellen Migrant/innen sowie Kinder und Jugendliche wichtige Zielgruppen dar.
Die stadtteilorientierten Angebote und Projekte greifen sowohl baulich-räumliche als auch soziale Fragen auf und verknüpfen diese im Sinne einer sozialorientierten Stadtteil- und Quartiersentwicklung. Der direkte Kontakt zu Bewohner/innen, ihre Beteiligung und aktive Mitwirkung stehen dabei im Mittelpunkt. Dies zielt auf die Förderung der spezifischen Potentiale und Eigenressourcen des Stadtteils.
Ein zentrales Anliegen des Planerladen ist es, zur Entwicklung und Stärkung von Selbstorganisationsstrukturen im Stadtteil beizutragen. So lag ein Schwerpunkt der Arbeit von Beginn an in der Beratung und Unterstützung von Bewohner- und Mieterinitiativen sowie von anderen Institutionen im Stadtteil. Dabei hat in den letzten Jahren die interkulturelle Dimension der Zusammenarbeit (über ethnische Grenzen hinweg) eine zunehmend größere Bedeutung erhalten.
Der Planerladen e.V. besteht seit 1982 in der Dortmunder Nordstadt. Im Stadtteil ist der Planerladen als bürgernahe Infrastruktur an mehreren Standorten mit Ladenlokalen oder Büros präsent. Im Team des Planerladen e.V. arbeiten Deutsche wie Migrant/innen als Fachkräfte aus dem pädagogisch-sozialen Bereich und aus den verschiedenen Planungs- und Bauberufen eng zusammen.
Mit seinen Ausgründungen - dem Büro für Architektur und Stadtentwicklung BASTA, der gemeinnützigen Grünbau GmbH (Gesellschaft zur Beschäftigung und Qualifizierung in der Stadterneuerung) und der Grünbau Fairkehrssicherungsdienst GmbH (ein Sozialer Wirtschaftsbetrieb) - bildet der Planerladen den Projektverbund Nordstadt, der ein Praxisnetzwerk zur integrierten und bewohnerorientierten Stadtteil- und Quartiersentwicklung darstellt.
Ausgewählte Maßnahmen
- Befragung von Wohnungsunternehmen zu Migranten als Mietern
- Aktion „Millionen Stempel gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung“
- Etablierung eines Nachbarschaftsforums
- Experten-Workshop „Diskriminierung im Wohnbereich bekämpfen. Freizügigkeit von Zuwanderern sichern“
Befragung von Wohnungsunternehmen zu Migranten als Mietern
1.Anlass zur Maßnahme
Der Planerladen e.V. erfährt immer wieder von betroffenen Migranten, dass sie im Wohnbereich auf Schwierigkeiten stoßen, sei es bei der Wohnungssuche oder im Zusammenleben in den Nachbarschaften. Auch Vermieter und Wohnungsgesellschaften berichten regelmäßig von Problemen mit Migranten. Durch eine Befragung (2005/2006) von Wohnungsunternehmen wollte der Planerladen e.V. heraus bekommen, wie diese mit Migranten als Kunden umgehen und welche Besonderheiten im Umgang mit Migranten eine Rolle spielen. Besonders interessiert war der Planerladen e.V. an den Belegungsstrategien oder Belegungsquoten, nach denen die Wohnungsanbieter handeln.
2. Zielgruppe
Wohnungsunternehmen, die im Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen e.V. (VdW) organisiert sind, da die Untersuchung von Seiten des Verbandes unterstützt wurde.
3. Methode
Versand von 474 Fragbögen an die Verbandsunternehmen. Auswertung und umfassende Dokumentation der Ergebnisse auf Basis von 83 beantworteten Fragebögen. Nachfassende Telefonbefragung von 32 ausgewählten Unternehmen, die zuvor geantwortet hatten.
4. Öffentlichkeitsarbeit
Herausgabe von zwei Ergebnisbereichten zur schriftlichen Befragung sowie zur nachfassenden telefonischen Befragung. Diese wurden an Interessenten versendet und können über den Planerladen bezogen werden. Begleitung des Projektes durch Pressearbeit. Veröffentlichung von Artikeln in der Verbandszeitschrift des VdW.
5. Ergebnisse / eigene Bewertung
Bei der Auswertung der Fragebögen zeigte sich, dass die antwortenden Unternehmen sehr wohl ein Bewusstsein hinsichtlich der in ihren Beständen wohnenden Migranten entwickelt haben. Die Antworten zu den Belegungspraktiken variieren sehr stark. Oft wird geäußert, dass die jeweils praktizierte Belegung zu einer ethnischen Durchmischung in den Beständen beitragen soll, um so einer „Ghettoisierung“ entgegenzuwirken. Einige Unternehmen beziffern maximale Migranten-Quoten, die bei der Belegung angewendet werden.
6.Resonanz in der Öffentlichkeit
Die Resonanz in der (Fach-)Öffentlichkeit war sehr gut. Zahlreiche Dokumentationen konnten an Wohnungsunternehmen aber auch Wissenschaftler, die sich mit dem Thema Migranten befassen, verschickt werden.
7. Konsequenzen
In den Befragungsergebnissen zeigt sich, dass zumindest die größeren und mittleren Mitgliedsunternehmen des VdW heute am Thema „Migranten“ kaum mehr vorbeikommen. Die Ergebnisse der Befragung sollen erklärtermaßen in die Arbeit des VdW einfließen. Auch dies ist ein Beleg dafür, dass dieser Thematik innerhalb der Wohnungswirtschaft zukünftig eine höhere Aufmerksamkeit geschenkt werden wird.
Aktion „Millionen Stempel gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung“
1. Anlass zur Maßnahme
Allgemeine Diskriminierungstendenzen, speziell in Dortmund in Verbindung mit dem Antritt rechtsradikaler Parteien zur Kommunalwahl 2004 und insbesondere aufgrund von rechtsradikalen Demonstrationen im Stadtteil Hörde, in dem der dortige Türkisch-Islamische Kulturverein den Neubau einer Wohnsiedlung mit Mosche plant, die nicht unumstritten ist.
2. Zielgruppe
Institutionen, Initiativen, Verbände, Vereine, Unternehmen, Privatpersonen, aus dem Bereich Dortmund, sowie indirekt eine breite Öffentlichkeit, die in Kontakt mit den Institutionen usw. steht.
3. Methode
Alle Partner sagen auf den Umschlägen ihrer Briefpost mit einem Stempel ein „NEIN zu Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung“. Kleinere Unternehmen und Institutionen erledigen das mit Handstempeln, größere über ihre Frankiermaschinen. So wird mit geringem Aufwand ein massenhafter Effekt erreicht. Auf den Stempeln, die ein einheitliches Layout aufweisen, wird der Name der jeweiligen z.B. Institution genannt.
4. Öffentlichkeitsarbeit
Versand von rund 250 Aufrufen zur Teilnahme per Post, darüber hinaus Aufrufe in der lokalen Presse sowie über hauseigene E-Mail-Verteiler. Nach den Aufrufen wurden die Erfolge der Aktion mittels eines Pressetermins wirksam in der Presse platziert.
5. Ergebnisse / eigene Bewertung
Die Partner der Aktion zeigen einmal mehr „Flagge“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Die zufälligen Briefempfänger werden zu einem kurzen Nachdenken über das Thema bewegt. Zudem wird den Migranten unter den Briefempfängern ein positives, integrationsförderndes Signal gegeben.
Zum Erfolg der Pressearbeit trug nicht zuletzt die Wahl eines plakativen Namens für die Aktion („Millionen Stempel gegen ...“) bei.
6. Resonanz in der Öffentlichkeit
Öffentlichkeit und Zielgruppe zeigten und zeigen ein große positive Resonanz. Bis zum Jahresende 2006 nahmen über 80 Institutionen, Unternehmen und Vereine aus ganz Deutschland an der Aktion "Millionen Stempel" teil. Die Hälfte von ihnen sind Mitglieder des Deutschen Bundestages, die auf Initiative des Dortmunder Bundestagsabgeordneten Marco Bülow das Projekt unterstützen. Im Winter 2005-2006 platzierte die Stadtverwaltung Marl für einen Zeitraum von drei Monaten einen Stempel auf jede ausgehende Postsendung. Auch die Post des Rathauses der Stadt Datteln wurde 2006 mit den Stempeln "für Toleranz und Fremdenfreundlichkeit" versehen. Die Aktion "Millionen E-Mails" hat ebenfalls rund 70 Teilnehmer, darunter viele Privatpersonen und auch einige Bundestagsabgeordnete.
7. Konsequenzen
Beitrag zur Prävention von Diskriminierung durch Sensibilisierung für das Thema bei direkter und indirekter Zielgruppe. Transport des Themas Diskriminierung in die Presse durch ungewöhnlichen „Aufhänger“. Aussendung integrationsfördernder Signale an Migranten.
Etablierung eines Nachbarschaftsforums
Jahr: seit 1999 fortlaufend
1. Anlass zur Maßnahme
Ausgehend von der Kontroverse um die vom Dortmunder Wohnungsamt eingeführte Quotierung des Migranten-Anteils im belegungsgebundenen Wohnungsbau in der Dortmunder Nordstadt Ende der 1990er Jahre, entwickelten hier Bewohnerinnen und Bewohner verschiedenster Nationalität und Bildung sowie mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen Schritte für ein besseres Zusammenleben zwischen Migranten und Deutschen.
2. Zielgruppe
Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Nordstadt, dem Einwandererstadtteil von Dortmund.
3. Methode
Aufbauend auf einem Nachbarschaftstreff wurde ein Nachbarschaftsforum als interkulturelle Gesprächsrunde ins Leben gerufen. Ziel der moderierten Gesprächsrunden ist es, aktuelle Themen des Quartiers aufzugreifen, ihre Meinung in den Diskussionsprozess einzubringen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und selber umzusetzen.
4. Öffentlichkeitsarbeit
Es gibt die Plakatierung von Einladungen zum Forum im direkten Wohnumfeld sowie persönliche Einladungen per Post und E-Mail. Berichte über die Foren erscheinen in der Presse und in Projektdokumentationen. Auf Tagungen und Workshops werden das Konzept des Nachbarschaftsforums und die erzielten Ergebnisse vorgestellt.
5. Ergebnisse / eigene Bewertung
Gefördert wird der sachliche Meinungsaustausch und das Verständnis füreinander sowie die Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungssuche für – ethnisierte – Probleme. Das Ziel, ausgewählte Handlungsvorschläge aus dem Nachbarschaftsforum umzusetzen, wurde gemeinsam mit den Beteiligten verwirklicht.
6. Resonanz in der Öffentlichkeit
Das Nachbarschaftsforum findet seit 1999 im 4 – 6-wöchigen Rhythmus statt und wird von durchschnittlich 10 – 20 Personen besucht, die sich unterschiedlich in die Arbeit einbringen. Mittlerweile hat sich das Nachbarschaftsforum in der Nordstadt etabliert. Durch Anstoß und anfängliche Unterstützung durch den Planerladen haben andere Träger im Rahmen des Quartiersmanagements ebenfalls Nachbarschaftsforen in verschiedenen Quartieren ins Leben gerufen, so dass sich mittlerweile 8 – 10 Nachbarschaftsforen regelmäßig in der Nordstadt treffen.
7. Konsequenzen
Es wird zur Prävention von Diskriminierung durch Sensibilisierung für das Thema beigetragen. Zudem wird die Kommunikation der unterschiedlichen Bewohner und Bewohnergruppen untereinander sowie der Abbau von Vorurteilen gefördert. Dies geschieht nicht zuletzt dadurch, dass Bewohner die Probleme im eigenen Quartier gemeinsam selber anpacken. Entschärft werden können – insbesondere ethnisierte – Problemlagen in der Nachbarschaft.
Experten-Workshop „Diskriminierung im Wohnbereich bekämpfen. Freizügigkeit von Zuwanderern sichern.
1. Anlass zur Maßnahme
Auf dem Wohnungsmarkt können Tendenzen einer Diskriminierung von Migranten wahrgenommen werden. So finden die in Deutschland lebenden Migranten einen für sie stark verengten Wohnungsmarkt vor. Sie haben im Schnitt höhere Mietausgaben als einheimische Mieter, müssen zu kleine und qualitativ schlechtere Wohnungen in Kauf nehmen und sind häufig gezwungen, sich auf bestimmte Stadtquartiere bei der Wohnungssuche zu beschränken. Oft stoßen sie auf Ablehnung durch Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften, die die "gute Adresse" ihrer Häuser oder ihres Quartiers gewahrt wissen wollen und Migranten den Zuzug verwehren. Zuwanderer werden durch Quotierungen am Kauf von Immobilien oder Bauland gehindert oder bekommen, sofern sie selber Hauseigentümer oder Vermieter sind oder werden möchten, von Behörden und Banken Steine in den Weg gelegt. Zwar überlagern sich oftmals Diskriminierung und Probleme aufgrund der schlechteren Einkommenssituation von Migranten. Dennoch ist der Aspekt der Diskriminierung nicht von der Hand zu weisen und verstärkt die ohnehin vorhandenen strukturellen Schwierigkeiten von Migranten auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt, auf den sie in Zukunft immer stärker drängen werden.
Es wurde festgestellt, dass in diesem Hinblick auch ein Diskussionsbedarf bei den Akteuren des Wohnungsmarktes besteht.
2. Zielgruppe
Akteure aus den Bereichen Wohnungswirtschaft, Wissenschaft, Integrationspolitik, Verwaltung sowie Migrantenselbstverwaltung und Migrantenlobby, sowie indirekt die interessierte (Fach-)Öffentlichkeit.
3. Methode
Veranstaltung zweier eintägiger Experten-Workshop in Dortmund am 1. Oktober 2003 und am 16. September 2005. Im Jahr 2003 wurden 26 Teilnehmer aus den verschiedenen Fachdisziplinen und auch aus dem Ausland (Niederlande, Österreich) gezielt eingeladen. 2005 waren 31 Expertinnen und Experten anwesend.
Im Anschluss an einführende Referate wurde im Verlauf von moderierten Workshop-Sessions zielorientiert gearbeitet. Eine zusammenfassende Abschlussdiskussion beendete den jeweiligen Workshop. Die Workshop-Ergebnisse wurden anschließend ausgewertet, dokumentiert und veröffentlicht.
Während des Experten-Workshops stehen, neben der Analyse der Situation von Migranten im Wohnbereich sowie dem Sichten guter und schlechter Beispiele, das Aufstellen politischer Ziele und die Erarbeitung von Handlungsmöglichkeiten und Instrumenten im Vordergrund. Die Frage, wie einzelne Kommunen an ihre Integrationsaufgabe und damit auch an das Thema Diskriminierung von Migranten herangehen, wird ebenfalls diskutiert werden. Im Bereich der Umsetzung wird man die Etablierung von Antidiskriminierungsbüros und –stellen als geeignete Koordinierungs- und Anlaufstellen genauso erörtern wie die Möglichkeit der Einrichtung von besonderen Finanzierungsmöglichkeiten für Bauherrn und Vermieter mit Migrationshintergrund.
4. Öffentlichkeitsarbeit
Hinweis auf den Workshop und die Workshop-Ergebnisse in der lokalen Presse und in Verbandsinformationen. Veröffentlichung zweier gedruckter Dokumentation mit 48 Seiten, die an Interessenten versendet wurde und über den Planerladen bezogen werden können.
5. Ergebnisse / eigene Bewertung
.Während der ganztägigen Experten-Workshops stand, neben der Analyse der Situation von Migranten im Wohnbereich sowie dem Sichten guter und schlechter Beispiele, das Erarbeiten politischer Handlungsmöglichkeiten und Instrumente im Vordergrund. Diskutiert wurde darüber, wie das Negativimage von bestimmten „Zuwandererstadtteilen“ aufgewertet werden kann oder welche Möglichkeiten es gibt, die Stigmatisierungen von Ausländerkonzentrationen abzubauen. Insgesamt wurde ein „gutes Integrationsklima“ in der Gesellschaft, als wichtige Vorraussetzung für den Abbau von Diskriminierung angesehen. Dass das Integrationsklima heute noch vielfach getrübt ist, war allen Anwesenden klar. Hierzu muss zunächst noch in vielen Köpfen ein Umdenken vonstatten gehen.
Die Workshops trugen nicht nur zur weiteren fachlichen Fundierung des politischen Diskurses über anti-segregative Strategien im Wohnbereich bei, sondern dienten vor allem auch dem Aufbau und der Intensivierung von Kontakten zwischen unterschiedlichen Akteuren des Wohnungsmarktes und der Wohnungspolitik.
6. Resonanz in der Öffentlichkeit
Die Resonanz in der (Fach-)Öffentlichkeit war sehr gut. Zahlreiche Workshop-Dokumentationen konnten verschickt werden. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie weiteren am Thema Interessierten wurde eine Fortsetzung des Diskurses in dieser Form gewünscht. Dabei sollte der inhaltliche Schwerpunkt bei Fragen des Zusammenlebens von Migranten und Deutschen, der Belegungspolitik sowie bei integrativen Wohn- und Siedlungsprojekten liegen. Die Ausrichtung eines weiteren Workshops wird überlegt.
7. Konsequenzen
Der Workshop und die erstellte Dokumentation leisten einen Beitrag zur Prävention von Diskriminierung durch Sensibilisierung für das Thema bei den Akteuren der Wohnungswirtschaft. Es damit wird zur Wahrnehmung der besonderen Rolle und Situation von Migranten auf dem Wohnungsmarkt beigetragen.