Das Antidiskriminierungsbüro Siegen

Kontakt: Kölner Str. 11, 57072 Siegen .:. Tel: 0271 - 2501384 / 0271 - 2501383 .:. E-Mail: adb-siegen@vaks.info .:. Web: www.vaks.info

Die MitarbeiterInnen des Antidiskriminierungsbüros Siegen (ADB) sind der Auffassung, dass man Diskriminierung und Rassismus in Nordrhein-Westfalen auf mehreren Ebenen entgegentreten muss. Zu unseren Aktivitäten auf struktureller Ebene zählt z.B. die mit dem Netzwerk der ADBs in Nordrhein-Westfalen gemeinsam erfolgte Öffentlichkeitsarbeit für gesetzliche Regelungen gegen Diskriminierung. Auf lokaler Ebene setzen wir unsere Arbeit gegen Diskriminierung und Vorurteile um, indem wir MitarbeiterInnen von Institutionen wie z.B. der Ausländerbehörde oder der Polizei in Workshops (s.u.) informieren und sensibilisieren, auch um das Verständnis füreinander zu verbessern.

Als Beratungsstelle für Opfer von ethnischer Diskriminierung unterstützen wir diese in ihrem Anliegen, gleich behandelt zu werden und ihr Menschen-Recht wieder zu erlangen.

Wir thematisieren und problematisieren das Tabu-Thema Rassismus auf der anderen Seite mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Aktionen wie Vorträgen, Ausstellungen oder z.B. SportKulturen gegen Rassismus (s.u).

Anlass

Die jüngste Vergangenheit und hier vor allem das Erstarken rechter Jugendkulturen und rechter Parteien zeigt, dass eine nicht-rassistische Bildungskultur in Deutschland erforderlich ist. Die Mediathek gegen Rassismus als Schwerpunkt ist eine wichtige Einrichtung, um Fachleuten aus dem Bildungssektor und der Jugendarbeit, aber auch andere Personengruppen wie etwa Schüler und Studenten mit geeigneten und hochwertigen Materialien zu versorgen. Für diese Akteure veranstalten wir gleichzeitig Fortbildungen, damit sie die nötige Kompetenz für die Praxis erlangen können.

Ausgewählte Maßnahmen

Interkulturelle und antirassistische Fortbildungen für Polizisten

Anlass

Die 1998 begonnene Zusammenarbeit mit den lokalen Polizeibehörden wurde 2000 und 2001 mit weiteren Fortbildungsveranstaltungen fortgesetzt mit „Offensive für Fairständnis 2000 – Abbau von Vorurteilen“ und, im Jahre 2001, „Fremde – Ängste – Feindlichkeiten und wie weiter? - Dialogveranstaltung für Polizisten/innen und Migranten/innen“.

Polizisten in Deutschland sind bei ihrer Tätigkeit in den vergangenen Jahren zunehmend mehr in – für sie ungewohnten - Kontakt mit Migranten gekommen. Der gegenseitige Umgang wird von beiden Seiten häufig als belastend und überfordernd empfunden.

Zielgruppe

Die eintägige Veranstaltung „Offensive für Fairständnis 2000 – Abbau von Vorurteilen“ thematisierte diese Erlebensweisen. Sie wurde bestritten von NCBI-Trainerin Gudrun Knittel, dem Trainer für politische Erwachsenenbildung Jochen Mangold und den ADB-Mitarbeiterinnen Gül Ditsch und Alice Rademacher. Die dreitägige Maßnahme „Fremde – Ängste – Feindlichkeiten und wie weiter? - Dialogveranstaltung für Polizisten/innen und Migranten/innen“ fand in Kooperation mit der Ev. Kirche von Westfalen im Haus Nordhelle statt und wurde von den Referenten Manfred Zabel, Professor für Sozialethik, und Günter Hensch, Dozent für politische Bildung, durchgeführt.

Methode

Ausgehend von der Situation der Polizeibeamten auf der einen und der der Migranten auf der anderen Seite, wurden die dabei wirksamen Vorurteile und Einstellungen bearbeitet und die Polizisten sensibilisiert für die Lebensumstände von Migranten, insbesondere dem alltäglichem Rassismus.

Bewertung

Der Erfolg dieser Projekte drückte sich aus in einem positiven Feedback der TeilnehmerInnen und der guten Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden. Um eine Nachhaltigkeit zu erreichen, wurden seitdem, mehrmals jährlich Trainingseinheiten zur Interkulturellen Kompetenz in den Räumen des Antidiskriminierungsbüros durchgeführt. Hieran nahmen jeweils zwischen 10 und 22 Polizisten teil.

Zunächst geben wir darin einen allgemeinen Überblick auf unsere Antidiskriminierungsarbeit: Notwendigkeit, Ziele und Methoden. Anschließend werden Erfahrungen von MigrantInnen dargestellt, die mit der Polizei in Kontakt gekommen sind und sich diskriminiert fühlten. Wir versuchen, deren Perspektive darzulegen, um den Beamten zu veranschaulichen, wie sie als Polizisten wirken. So ermöglichen wir den Beamten einen Perspektivwechsel, um ihr eigenes Verhalten reflektieren zu können. Danach werden mögliche alternative Handlungsstrategien mit den Anwesenden diskutiert. Somit dienen die Treffen v.a. der Sensibilisierung der Polizei gegenüber ethnischen Minderheiten. Andererseits lassen wir uns auch die Perspektive bzw. die Vorschriften der Beamten schildern, um auch deren Verhalten zu verstehen. Hierdurch sind wir in der Lage einen objektiveren Standpunkt in Diskriminierungsfällen einzunehmen, und können unnötige Fallarbeit vermeiden.

Hoch

Siegener Runder Tisch „Dialog der Religionen“

Anlass

Im Jahr 2000 wurden mehrere Beschwerden von Muslimen an das ADB Siegen gerichtet, in denen sich eine zunehmende Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung des Kreises Siegen-Wittgenstein ausdrückte. Weitere Recherche von uns und Gespräche mit Kirchenvertretern bestätigten dieses Bild.

Das ADB ergriff nun, zusammen mit dem Islambeauftragten des evangelischen Kirchenkreises, die Initiative und lud Persönlichkeiten aus Kirchen, Moscheen und Vereinen zum Austausch ein. Hieraus entstand der Siegener Runde Tisch „Dialog der Religionen“.

Zielgruppe

14 Mitglieder aus verschiedenen Institutionen, wie Pastoren von ev. und kath. Kirchen, Uni – Dozenten (Dekan vom FB1), Sprecher von islamischen Gemeinden, Leiter der Fortbildungsabteilung der Polizei, RAA, Ausländerbeauftragter der Stadt Siegen, usw. arbeiten seitdem kontinuierlich in diesem Arbeitskreis. Die MitarbeiterInnen des ADB laden zu den Treffen ein, die meist sechs mal pro Jahr stattfanden, moderieren und protokollieren sie. Außerdem übernehmen wir die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und sind für die Planung und Durchführung der Veranstaltungen zuständig.

Ziel

Der Runde Tisch der Religionen hat das Ziel, das praktische Zusammenleben der Religionen zu unterstützen. Er will Angst und Vorurteile in Bezug auf die jeweils andere Religion abbauen und die nachbarschaftlichen Verhältnisse der Religionen verbessern. Er ermutigt Menschen verschiedenen Glaubens in der Region, sich kennen zu lernen, sich gegenseitig zu verstehen und zu achten. Der Runde Tisch der Religionen vertritt gemeinsame Ziele in der Öffentlichkeit, gibt Impulse für interreligiöse Veranstaltungen und berät andere Organisationen und Institutionen in interreligiösen Fragen

Methode

Aus dem Arbeitskreis heraus hat das Antidiskriminierungsbüro am 15.09.2001 die erste Veranstaltung „Das Menschenbild im Islam und Christentum, eine zwischenmenschliche Annäherung“ geplant und durchgeführt. Um Diskriminierungen und Vorurteile abzubauen, beeinhaltete diese Veranstaltung zwei Vorträge von Religionswissenschaftlern, die über das jeweilige Menschenbild ihrer Religion referierten. Das gegenseitige Wissen um die Wertvorstellungen und kulturellen Hintergründe ist Grundlage zum friedlichen Zusammenleben.

Bewertung

Da sie am 15.09.2001 stattfand, zeitigte die Veranstaltung einen enormen Besucherandrang von mehreren Hundert Personen. Angesichts der Terroranschläge vom 11.09.2001 hatte sie eine besondere Bedeutung bekommen. Ein sehr großer Informationsbedarf hinsichtlich Terrorismus und politisch-religiöser Verblendung in Form von Fanatismus wurde in der Veranstaltung deutlich.

Auch in der Folgezeit war eine spürbare Islamfeindseligkeit Anlass für weitere Maßnahmen durch den Runden Tisch der Religionen. Dazu gehörten interreligiöse Begegnungen in einer Siegener Moschee für unterschiedliche Personengruppen wie etwa Mitgliedern der Fraktionen des Stadtrates Siegen. Am 25.06.02 wurde die interreligiöse Dialogveranstaltung „Wie können Juden, Christen und Muslime zusammen leben?“ mit dem sog. „Abrahamisches Team“ in Beteiligung des ADB durchgeführt. Auch fand im Geisweider Lutherhaus ein „interreligiöser Dialog“ statt, zu dem vom Siegener Büro des Institutes für Kirche und Gesellschaft eingeladen wurde.

Hieran wird deutlich, dass allmählich ein wünschenswerter Prozess der Verselbständigung der verschiedenen Einrichtungen und Institutionen einsetzte. Diese führen im Jahre 2004 nun in Eigenregie zahlreiche Projekte durch, die sich um den „interreligiösen Dialog“ kümmern. Dadurch ist das ADB in seiner Eigenschaft als durchführende Organisation zurückgetreten und kann sich anderen Aufgaben widmen. Die Arbeitskreis -Treffen finden nun nur noch unregelmäßig statt, wobei die Mitglieder in häufigem Kontakt stehen.

Hoch

Veranstaltungsreihe Sport und Rassismus

Von Sommer 2003 bis Frühjahr 2004 führten wir mehrere Veranstaltungen zur Thematik Sport und Rassismus durch.

I. SportKulturen gegen Rassismus

Zu dieser Großveranstaltung im Siegener Leimbachstadion am 26.07.04 gehörten folgende Elemente:

  1. Das Eröffnungsspiel beschtritten eine Auswahl des Rates der Stadt Siegen und eine Elf der Ausländerbeiräte der Städte Siegen und Kreuztal. Im Rat der Stadt Siegen wurden SportKulturen zum Tagesordnungspunkt und die Teilnahme durch die Partei-Fraktionen diskutiert und beschlossen. Die Ratsmitglieder wie auch der Bürgermeister, zudem in seiner Eröffnungsrede, gaben durch ihre Teilnahme ein eindeutiges Bekenntnis gegen Rassismus ab.
  2. Das fußballerische Highlight mit ca. 500 Zuschauern bildete das Spiel der Sportfreunde Siegen gegen eine Kreisauswahl. Im Vorfeld der Veranstaltung war es uns gelungen, die Sportfreunde als Kooperationspartner zu gewinnen.

Bewertung

Als einziger Profi-Club der Region, mit einem Anhang bis zu 10.000 Zuschauern, unter denen in den vergangenen Jahren starke Probleme mit rechtsextremistischen Fans aufgetreten waren, war die Positionierung gegen Rassismus eine unmissverständliche Botschaft. Wir verteilten ca. 4000 Flyer bei Heimspielen an die Fans.

Ziel / Zielgruppe

Die Kreisauswahl setzte sich aus Spielern von 15 Vereinen zusammen. Rassismus wurde in diesen Clubs zwangsläufig thematisiert, da die Spieler mit ihrer Teilnahme gleichsam ein Bekenntnis abgaben. Aber auch in den ca. 100 Vereinen des Kreises, die keine Spieler stellten, wurde durch Presseartikel, Plakate und Flyer an den Sportplätzen eine inhaltliche Auseinandersetzung gefördert.

Methode

3. Streetsoccer-Turnier für Kinder (7- 14 Jahre):
Direkt angesprochen wurden im Vorfeld mit ca. 1000 Flyern Schulen im Stadtgebiet Siegen und Jugendmannschaften der Fußballvereine des ganzen Kreises. Teilgenommen haben über 20 Mannschaften mit über 100 Kindern, die von Lehrern, Eltern und Jugendtrainern begleitet wurden.

4. Turnier für Fanclubs, Hobby- und Betriebsmannschaften:
Hier nahmen u.a. mehrere Fanclubs der Sportfreunde teil. Die Teilnahme am Turnier sorgte für intensive Auseinandersetzungen in der Fan-Szene. Diese hatten wir als Zielgruppe mit ein bezogen, um den Einfluss von rechtsextremistischen Personen zu thematisieren, was auch gelang.

Abgerundet wurde die Veranstaltung von einem Open Air Konzert mit ca. 1000 Besuchern. Bemerkenswert hierbei war die ehrenamtliche Unterstützung von beinahe 100 Helfern, die sich gerne gegen Rassismus engagierten.

Resümee / Bewertung

Insgesamt hat SportKulturen durch Vor- und Nachberichterstattung in allen regionalen Medien, 800 Groß-Plakaten, ca. 10.000 Flyern für Aufsehen gesorgt und das Thema Rassismus breitflächig in die Öffentlichkeit transportiert.

II. Ausstellung „Tatort Stadion – Rassismus und Diskriminierung im Fußball“

Mit der Ausstellung „Tatort Stadion – Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ vom 08.12. – 19. 12. 2003 im Siegener Rathaus haben wir beide Problemkreise thematisiert und der Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerückt.
Die inhaltliche Ausrichtung des Rahmenprogramms wurde wesentlich von uns bestimmt. Wir haben Kontakte zu einigen Teilnehmern an den Rahmenveranstaltungen erschlossen und die Podiumsdiskussionen mit den Moderatoren vorbereitet. Ein Mitarbeiter des ADB hat die Ausstellung im Siegener Rathaus begleitet und Führungen für Schulklassen durchgeführt. Zudem war er an der Podiumsdiskussion "Sportvereine und ihre sozialpolitische Verantwortung" beteiligt. Dabei hat er v.a. auf gesellschaftliche Problemlagen von Migranten und deren Auswirkungen im Bereich Fußball hingewiesen.

Die gesamte Ausstellung mit Rahmenprogramm war ein großer Erfolg. Über 700 Menschen durchliefen die Sammlung. Die mediale Berichterstattung war außerordentlich umfangreich. Die begleitenden Personen berichteten alle davon, dass bei den Führungen von den - überwiegend jungen - Gästen immer wieder der Bezug zu Erscheinungen des alltäglichen Rassismus hergestellt wurde. Der Mitarbeiter des ADBs konnte bei seinen Führungen natürlich auch die Arbeit des ADB vorstellen und auf die Notwendigkeit eines Antidiskriminierungsgesetzes hinweisen, die in diesem Kontext für die Besucher plausibel wurde.

III. Interkulturelle Konfliktschlichtung im Amateurfußball

Anlass

Die zunehmende Gewalt zwischen Sportlern unterschiedlicher ethnisch-kultureller Herkunft muss in unserer Region im Amateurfußball zunächst erst einmal als Problem erkannt werden. Zu sehr werden die gewalttätigen Auseinandersetzungen von den Verantwortlichen im Spielbetrieb als eine Bagatelle dargestellt. Erstes Etappenziel musste also sein, für interkulturelle Konflikte und Gewalt eine erhöhte Wahrnehmung zu schaffen.

Wir konnten die Funktionäre des Kreisverbandes dazu bewegen, im März 2004 eine gemeinsame Veranstaltung zur Information und zum Erfahrungsaustausch mit Vertretern der Vereine durch zu führen, deren Titel „Gewalt, schwierige Spieler, interkulturelle Konflikte – auch bei uns? – Neue Wege der Konfliktlösung“ lautete. Ein Informationspapier mit Einladung wurde an alle Vereine des Kreises (über 100), zusätzlich an alle Jugendleiter und alle Funktionäre des Kreisverbandes versandt. Die im Titel der Veranstaltung gestellte Frage wurde von den Teilnehmern des Abends mit dem Referenten Horst-Dieter Knüppel, Vorsitzender des Fußball-Verbandes Bielefeld, zumindest für den Jugendbereich mit einem klaren „ja“ beantwortet, da die meisten Vereine mit dieser Problematik zu kämpfen hätten. Herr Knüppel genauso wie ADB-Mitarbeiter Robin Imhof stellten in der Folge mögliche Lösungswege dar, die sich von Konflikttrainings für Jugendmannschaften über Jugendtrainer-Schulungen und Schiedsrichter-Fortbildungen bis hin zur Mediatoren-Ausbildung erstreckten.

Methode

Eine weitere Gelegenheit, um den Vereinsvertretern die Könfliktlösungswege nahe zu bringen bildete der „Kreisjugendtag“ des Fußballverbandes am 29. März 2004 in Wilnsdorf. Hier nutzten wir die Zusammenkunft von über 100 Vereinsfunktionären, um potentielle Strategien des Konfliktmanagements in einem Redebeitrag und in Form von einem weiteren Info-Flyer zu erläutern.

Bewertung

Wenngleich Anfragen für konkrete Maßnahmen bisher noch ausblieben, ist ein Maß an Sensibilisierung insofern erreicht, als dass die Wahrnehmung für die Konflikte zunächst einmal geschärft wurde. Aus informellen Gesprächen mit Vereinsvertretern wurde auch ersichtlich, dass diese ein geschärftes Bewusstsein für rassistische Handlungen erlangt haben. Allerdings müssen wir in diesem Sinne weiter am Ball bleiben und Gespräche suchen. Die Verantwortlichen im Fußballkreis sind deshalb darüber informiert worden, dass sie bei Bedarf sich immer an das ADB Siegen wenden können.

Hoch